Uganda

 „Vernetzung stärkt alle”! Wege aus der Klimamisere

Seit mehr als 10 Jahren unterstützt der ILD die ländliche Entwicklungsarbeit in Uganda, u.a. mit öffentlichen Mitteln aus dem deutschen Entwicklungshilfeministerium (BMZ). Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit deutschen und ugandischen Partnerorganisationen, die die ländliche Entwicklung durch Spendenaktionen und gegenseitigen interkulturellen Austausch gemeinsam fördern. Aktuell rufen die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) im Zuge ihrer Weihnachtsaktion zur Unterstützung der kleinbäuerlichen Projektfamilien entlang des Trockenkorridors auf. Für diese Mithilfe sind wir allen Unterstützern sehr dankbar.

Was als Einzelprojekte in den verschiedenen Landschaftsräumen Ugandas entstand, ist inzwischen zu einem landesweiten Netzwerk zusammengewachsen, das die prekären Lebensumstände der Projektfamilien im Laufe der Zeit durch die Unterstützung aus Deutschland veränderten. Erreicht wurde dies durch einen ganzheitlichen Ansatz, der einen strukturangepassten Aufbau von demokratischen Selbsthilfegruppen fördert und die familienbetriebene Landbewirtschaftung in den Mittelpunkt stellt. Trotz der Erfolge sind die Herausforderungen auf dem Land nach wie vor enorm, um die Widerstandsfähigkeit ländlicher Gemeinden gegenüber von Menschen verursachten Krisen zu stärken. Von zentraler Bedeutung für die soziale und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der kleinbäuerlichen Familienbetriebe ist jedoch die Fähigkeit sich an den fortschreitenden Klimawandel nachhaltig anzupassen, um Bleibeperspektiven für die Dorfgemeinschaften zu schaffen.

Wann kommt der Regen endlich?

Uganda bekommt den Klimawandel deutlich zu spüren: Besonders im sogenannten Cattle Corridor, der das Land von Südwesten nach Nordosten durchzieht, lösen sich extreme Dürren und Unwetter regelmäßig ab. “Die Dörfer stehen vor einem Scherbenhaufen, wenn mal wieder die Ernten durch Sturm und Starkregen zerstört oder durch extreme Trockenheit ganz Ugandaausfällt“, so Fr. Hilary von unserer ugandischen Partnerorganisation Caritas Kasanaensis. “Die Familien hungern und das Vieh findet immer öfters kein Gras mehr. Die Nomadenstämme bekriegen sich um Kühe.” Auf den ersten Blick kennen wir dies von Afrika seit jeher. Doch die Ursachen liegen im Klimawandel. Früher gab es nur alle zwanzig Jahre Dürreperioden. Doch heute treten Dürre-Zeiten fast jährlich auf. “Während meiner Schulzeit”, berichtet Fr. Hilary, “regnete es regelmäßig. Die Wiesen waren grün. Die Dörfer hatten ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung und besaßen kräftige Kühe und damit viel Milch. Doch heute ist unser Vieh dürr. Unser Land ist nun fast eine Steppe”.

Das ansteigende Bevölkerungswachstum und die Auswirkungen des Klimawandels führen zu einem zunehmenden Druck auf die natürlichen Ressourcen, was die Lebensgrundlage bedroht und die Armut beschleunigt. Eine zunehmende Häufigkeit von Dürreperioden in Verbindung mit dem steigenden Wasserverbrauch und -bedarf führt zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels, sowie zu Ernteausfällen durch unvorhersehbare Wetterereignisse während der Trocken- und Regenzeiten. Baum- und Waldbestände gehen durch den Bedarf an Brennmaterialien zur Ziegelherstellung, zum Kochen und zur Gewinnung von Ackerflächen stark zurück. Unkontrollierter Tonabbau, vermehrte Rinderhaltung in semiariden Gebieten und Eingriffe in Feuchtgebiete führen zu Degradation und Übernutzung der Standorte. Durch bodenzehrende Anbaumethoden nimmt zudem die Bodenfruchtbarkeit stetig ab. Ebenfalls hat sich seit Mitte der 70er Jahre die Bevölkerung Ugandas mehr als verdoppelt und über die Hälfte der Bevölkerung Ugandas ist unter 15 Jahre alt. Damit hat Uganda die durchschnittlich jüngste Bevölkerung der Welt. Bis 2050 wird erwartet, dass die Bevölkerung auf etwa 128 Millionen Menschen ansteigt die ernährt werden muss. Der Klimawandel steht somit im direkten Zusammenhang mit der Armutssituation in Uganda. Die Ministerien haben Anpassungsmaßnahmen zum Klimawandel entwickelt, die jedoch in den ländlichen Gemeinden kaum greifen.

 

Das Projekt:

Um sich den Herausforderungen zu stellen, implementiert der ILD mit seinen ugandischen Partnern ein Projekt, das die Entwicklung und Umsetzung von integrierten Klimastrategien, sowie Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen mit den ländlichen Gemeinden in den verschiedenen Klimazonen Ugandas unterstützt. Konkret soll sich durch das Projekt die Lebensgrundlage der in Uganda lebenden Bauernhaushalte durch die Einführung von klimaverträglichen Landwirtschaftsmethoden (Climate-Smart Agriculture Technology Transfer) und klimaangepassten Technologien im ländlichen Raum verbessern. Die Zielgruppe besteht aus Kleinbauernfamilien, die in Selbsthilfegruppen in 12 Distrikten (38 Distrikten) organisiert werden. Insbesondere Familien mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft, vor allem von Frauen geführte Haushalte, die selbstorganisierte Entwicklungsprozesse organisieren, sind die bevorzugte Zielgruppe. Sie sollen im Rahmen des Projekts als Multiplikatoren / Mttler in ihren Dörfern hineinwirken. Durch die gezielte Projektarbeit sollen zunehmend gemeinschaftliche Genossenschaftsstrukturen entstehen, um, neben Zielen zur Anpassung an den Klimawandel, ausreichend Einkommen für die bäuerliche Landwirtschaft zu erwirtschaften und die Städte nachhaltig mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Zur Zielerreichung, konzentrieren sich die vorgesehenen Maßnahmen auf folgende Kernbereiche:

  1. Anwendung von klimaschonenden Produktionsmechanismen und Erhöhung der landwirtschaftliche Produktivität durch klimaverträgliche Landbewirtschaftungsmethoden

Das Konzept der Vermittlung von klimaverträglichen Landbewirtschaftungsmethoden (Climate Smart Agricultural Technology Transfer) zielt darauf ab die gesamte Wertschöpfungskette bei den Produktionskreisläufen nachhaltig und resilienzbildend unter Einbeziehung ökologischer Bewirtschaftungsmethoden zu berücksichtigen. Die Projektpartner benutzen dazu ihre bewährten Zugänge zur Zielgruppe und arbeiten dabei mit landwirtschaftlichen Beratungsdiensten, sowie ortsansässige Versuchsstationen zusammen. Gerade von staatlicher Seite fehlt es an der Umsetzung nationaler Klimastrategien und -programme auf lokaler Ebene. Oft verfügen die Behörden über nur wenige Berater und für die Zielgruppe unerschwingliche Finanzkonzepte um nationale und regionale Klimaziele in der Praxis umzusetzen. Hier ist die Zivilgesellschaft aufgefordert kostengünstigere Instrumente unter Berücksichtigung nutzenbringender Verfahren für bäuerliche Familienbetriebe einzuführen. Aus den Erfahrungen mit vergleichbaren landwirtschaftlichen Interventionen stellen sich die lokalen Träger dieser Herausforderung und arbeiten dabei eng mit den landwirtschaftlichen und umweltbezogenen Regierungsstellen zusammen.

Die praxisorientierten Fertigkeiten und Kenntnisse der klimaverträglichen Landbewirtschaftungsmethoden sollen im Rahmen eines Ausbildungs- und Schulungsprogramms vermittelt und multipliziert werden. Begleitend sind vorgesehen zu Schulungszwecken Demonstrationseinheiten anzulegen um angepasste Anbaumethoden für die Produktion von Nahrungsmitteln und den Marktfruchtbau praktisch für Gruppenmitglieder zu demonstrieren. Demonstrationsanlagen animieren zur breitenwirksamen Nachahmung, wie z.B. der Aufbau von lokalen indigenen Saatbanken, Agroforstwirtschaft und Baumanpflanzung, Boden-und Wasserkonservierung, Grundwasser schonende Bewässerungssysteme, angepasster und emissionsarmer Anbau oder den Einsatz trockenresistenter Sorten, sowie die Anwendung von Weiterverarbeitungstechnologien zum Direktabsatz von Feldfrüchten. Besonders gemeinschaftlich durchgeführte Aktionen fördern Ownership und Identifikation. Zum Erlernen von weiterverarbeiteten Technologien sollen besonders auch Jugendliche in das für dieses Vorhaben vorgesehene Fortbildungsangebot integriert werden.

Unter anderen sollen klimaverträgliche und trockentolerante Pflanzenarten, wie Moringa, in ihren Dörfern eingeführt und gemeinschaftlich zur Nahrungsergänzung, als Brennholzersatz und zu Vermarktungszwecken entlang des Trockengürtels angebaut werden. UgandaMoringa eignet sich besonders zur Regenerierung von degradierten Standorten und hält extreme Dürreperioden stand. So zeigte die Pflanze auch während der letzten anhaltenden Dürre Anfang dieses Jahres ein grünes Blätterdach, während andere Nutzpflanzen abstarben. Die Blätter konnten trotz extremer Nahrungsknappheit im Osten Ugandas als Nahrungsergänzung für Familien, die Moringa in ihrer Umgebung fanden, genutzt werden. Nahezu alle Teile des Moringa-Baumes können vom Menschen verwertet werden.

Neben Baumarten besitzen weitere Nutzpflanzen erhebliches Anpassungspotenzial an den Klimawandel, wie zum Beispiel das Miscanthus- und Napirgrass. Besonders eine lokal angepasste Neuzüchtung des Napirgrasses ist ähnlich, wie Moringa, aussergewöhnlich trockenresistent. Sie dient als Futterpflanze für Rinderherden und hilft halbnomadische Stämme anhaltende Trockenperioden, wie sie seit einigen Jahren bedingt durch den Klimawandel an Häufigkeit zunehmen, besser zu überstehen. In Kombination mit konservierenden Maßnahmen, wie der Produktion von Heu, werden die Haushalte zunehmend regenunabhängiger in der Versorgung ihrer Herden. Zur Förderung der Biodiversität und dem Erhalt indigener und Vorort gezüchteter Nutzpflanzensorten sollen die Selbsthilfegruppen (SHGs) zum Aufbau eigener Saatgutbanken sensibilisiert werden. Gleichzeitig können die Kleinbauernfamilien die ortsangepassten Spezies (wie, trockentolerante Nutzpflanzen) zum Nachbau für ihre Felder und Gärten nutzen.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass im Rahmen einer klimaverträglichen Landwirtschaft sowohl der Klimaschutz, als auch einkommensgenerierende Maßnahmen zur Resilienzbildung für kleinbäuerliche Familienbetriebe beitragen. Erfahrungsgemäß gehen die lokalen Partner davon aus, dass die Akzeptanz in den ländlichen Gemeinden für Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen durch den beschriebenen Nutzeneffekt für die Kleinbauernfamilien um ein vielfaches höher ist.

  1. Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen und erneuerbaren Energien zur Anpassung an den Klimawandel und zur Minderung von CO2-Emissionen

Zur unmittelbaren Umsetzung von holistischen Ansätzen durch konkrete Anpassungs- und Emissionsminderungsmaßnahmen, sollen neben einer klimaverträgliche Landwirtschaft insbesondere der Bereich Energieversorgung durch regenerative Technologien (dezentrale Solarlösungen, Windkraft), Niedrigkosten und ressourcenschonender, umweltverträglicher Häuser- und Wasserbau (lokal angepasste Ziegelherstellungstechnologie), sowie Energieeffizienzöfen gefördert und demonstriert werden.

Mit dem Einsatz dieser angepassten Technologien werden eine erhebliche Kostenersparnis gegenüber der herkömmlichen Verwendung von Materialien und Techniken erwartet. Die Kosteneinsparungen sind einerseits begründet durch die reduzierten Herstellungskosten und andererseits durch niedrige Energiekosten. Für Energieeffizienzöfen, sowie dem umweltverträglichen Häuser- und Wasserbau liegen diese in den Eigenleistungen der Haushalte, wie die Beschaffung und die Herstellung von lokal verfügbaren Baumaterialien und Arbeitsleistung.

UgandaZum Beispiel werden die Wände der Häuser und Wassertanks aus ungebrannten, gepressten Ziegeln hergestellt. Das Substrat bestehend aus roten Sand, Wasser und Zement sind vor Ort erhältlich, sowie das Komprimieren kann durch Eigenleistung der Zielgruppe durchgeführt werden. Umwelttechnisch wird hierdurch das Brennen der Ziegel unter Verwendung von Feuerholz überflüssig.

Das angepasste System wurde von der Makarere Universität in Kampala, mit denen die lokalen Träger in der Entwicklung und Verbreitung bereits eine langjährige Partnerschaft unterhält, entwickelt. Ähnlich verhält es sich bei der Erstellung und dem täglichen Gebrauch von Energieeffizienzöfen, die im Vergleich zu den üblichen offenen Feuerstellen bis zu 70% Holz einsparen können. Dadurch wird das Abholzen der Baumbestände entgegengewirkt und krankheitsfördernde gesundheitliche Faktoren, wie das Inhalieren von übermäßigem Küchenqualm, vermindert. UgandaÄhnliche Synergien, wie in den genannten Beispielen, sind auch bei der Einführung der anderen oben bezeichneten Umwelttechnologien zu erwarten.

Neben Energieeffizienzmaßnahmen gewinnt die Nutzung erneuerbarer Energien zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen des Projekts sollen besonders dezentrale Solar-, Windkraft- und Biogasanlagen demonstriert werden. Sie leisten einem Beitrag zu entwicklungsrelevante Gemeindeaktivitäten, wie z.B. die Elektrifizierung des Dorfes. Bei den solarbetriebenen Kleinanlagen für Haushalte handelt es sich um ein Solarpaneel mit ein bis vier Lampen und einer Steckdose zum Aufladen, z.B. von Handys. Biogasanlagen für kleinbäuerliche Familienbetriebe lohnen sich bereits ab einen Viehbestand von zwei Kühen. Derartige Anlagen sollen im Einzugsgebiet demonstriert und verbreitet werden. Als Begleitmaßnahme wird die Zielgruppe im Rahmen des Ausbildungs- und Schulungsprogramms (s.o.) für diese Technologien sensibilisiert um ein Multiplikationsprozess in den Dörfern in Gang zu setzen.