Situation vor Ort
Mit über 1,4 Milliarden Einwohnern ist Indien nicht nur eine der bevölkerungsreichsten Nationen der Welt, sondern auch ein Land der Superlative, mit boomenden Metropolen, dynamischem Wirtschaftswachstum und gleichzeitig tief verwurzelten sozialen und strukturellen Herausforderungen.
- In den großen Städten Indiens, etwa in Zentren wie Delhi, Mumbai oder Bengaluru, zeigt sich ein modernes Indien: Technologie, Industrie und Dienstleistung prägen das Wirtschafts‑ und Sozialleben. Dort existieren deutlich bessere Strukturen für Bildung, Infrastruktur und Beschäftigung.
- Dennoch lebt der Großteil der Bevölkerung, etwa zwei Drittel, in ländlichen Gebieten. Dort bestimmen Landwirtschaft und Handwerk das tägliche Leben.
Diese Dualität führt zu großen Ungleichheiten:
- Während Haushalte in Städten oft ein Mehrfaches an Einkommen und Konsum haben, ist der Lebensstandard auf dem Land deutlich niedriger.
Zahlen und Fakten
| Fläche | 3.287.263 km² |
| Einwohnerzahl | 1.428 Mio. |
| Bevölkerungs-dichte | 431 Einw./km² |
| BIP | 3,9 Billionen USD |
| BIP/Einw. | 2.695 USD |
| HDI | 0,685 (130. Platz) |
- Der Zugang zu Bildung und Infrastruktur ist in ländlichen Gebieten oft eingeschränkt. Laut der jüngsten Erhebungen liegt die Alphabetisierungsrate in ländlichen Regionen niedriger als in den Städten.
- Auch Versorgung mit Gesundheit, sanitären Einrichtungen, sauberem Wasser, angemessenem Wohnraum und Mobilität unterscheidet sich deutlich zwischen Stadt und Land. Ein Teil der ländlichen Bevölkerung lebt in beengten oder unsicheren Wohnverhältnissen, mit unzureichender Infrastruktur.
Die Herausforderungen der ländlichen Bevölkerung in Indien sind vielfältig:
Klimawandel & Umweltzerstörung: Extremwetter, Bodenverlust, Wassermangel, Schadstoffbelastung.
Fehlendes Wissen & Beratung: Klimaresiliente Landwirtschaft, ökologische Anbaumethoden, Bodendiagnostik
Saatgut: Nachhaltigkeit, hohe Erträge, fehlender Zugang zu zertifizierten Saatgut.
Ernährung & Gesundheit: Mangelernährung, fehlende Obst-/Gemüsegärten, mangelnde Gesundheitsvorsorge, unsauberes Wasser.
Jugendliche & Bildung: Schulabbrüche, Abwanderung, fehlender Zugang zu digitaler Bildung, unzureichende Schulinfrastruktur.
Einkommen & Finanzzugang: Armut, fehlende Sicherheiten für Kredite, geringe finanzielle Kompetenzen, kein Startkapital.
Lagermöglichkeiten & Mechanisierung: hohe Arbeitsbelastung, Effizienz und Produktivität gering, viel Verschwendung.
Selbsthilfegruppen & Genossenschaften: unorganisiert, ohne Stimme, fehlende Hebelwirkung hinsichtlich Anschaffungen und Sparen.
Ein großer Teil der in den Projekten vom ILD unterstützen Bevölkerung gehört zu gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppen, die seit langem Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt erfahren. Ihre Marginalisierung ist eng mit Armut und Ungleichheit verbunden. Die gezielte Unterstützung dieser Gruppen trägt nicht nur zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Integration bei, sondern stärkt auch die nationalen Entwicklungsprozesse und fördert inklusives Wachstum. Wenn schwer erreichbare Gruppen ausgeschlossen bleiben, verschärft dies die Ungleichheit.
Besonders betroffen sind die sogenannten Dalits, oft als „Unberührbare“ bezeichnet. Sie werden durch das Kastensystem von Geburt an diskriminiert, haben eingeschränkten Zugang zu Ressourcen, Bildung und öffentlichen Dienstleistungen und sind häufig gezwungen, die niedrigsten und gefährlichsten Arbeiten zu verrichten. Trotz gesetzlicher Verbesserungen bestehen weiterhin massive soziale, wirtschaftliche und politische Benachteiligungen.
Auch Frauen auf dem Land stehen vor erheblichen Herausforderungen. Sie leisten die Hälfte der landwirtschaftlichen Arbeit, haben aber weniger Zugang zu Land, Finanzmitteln, Betriebsmitteln, Ausbildung und Entscheidungsmöglichkeiten, sowohl im Haushalt als auch in der Gemeinde. Ihre Mobilität, politische Teilhabe und wirtschaftliche Autonomie sind stark eingeschränkt, was durch fehlendes Bewusstsein für Frauenrechte und gesellschaftliche Normen weiter verschärft wird.
Unsere Projekte in Indien
Kleinbäuerliche Landbewirtschaftung auf der Basis agro-ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Standards.