Zum Erntedank 2017: „Eine Welt ohne Hunger ist möglich“ – Bestandsaufnahme von Hermann Kroll-Schlüter

Eine Welt ohne Hunger ist möglich

Die Menschheit steht vor der Herausforderung, dass die Erde bis 2050 von 9 Milliarden Menschen bevölkert wird und allein dafür die Nahrungsmittelproduktion um etwa die Hälfte erhöht werden muss.

  • 7,4 Milliarden Menschen leben heute, davon 80 % in Entwicklungsländern. Die Weltbevölkerung wächst. Es müssen mehr Nahrungsmittel produziert werden.
  • 4 Milliarden Menschen, also zwei Drittel der Menschheit haben zu wenig vom internationalen Handel. 3 Milliarden Menschen leben in bitterer Armut. Die Vorboten scharfer Konflikte sind auch bei uns angekommen: Kriege, Seuchen, Migrationen, Umweltprobleme, Terrorismus.
  • Fast 1 Mrd. Menschen hungern und mehr als 2 Milliarden leiden unter Mangelernährung.
  • 75 % der Hungernden leben auf dem Lande, also dort, wo Nahrung produzierte wird – warum? Weil den Menschen dort Eigentum, Infrastruktur, hochwertiges Saatgut, Zugang zu Krediten und zu Bildung verwehrt werden.
  • Mehr als 2,2 Millionen Kinder sterben jedes Jahr durch Mangel- oder Unterernährung.

Armut ist die wichtigste Ursache für Hunger. Drei Viertel aller Hungernden leben auf dem Lande. Die Lösungen liegen in einer kulturell gründenden ländlichen Entwicklung und in einer umweltgerechten und ressourcenschonenden Landwirtschaft. Eine solche Landwirtschaft ist innovativ und produktiv. Schon heute basieren weltweit 50% der Produktionssteigung auf Innovationen.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Lokalität und Globalität. Besonders drastisch wird dies erkennbar beim Klimawandel. Die Globalisierung bringt es mit sich, dass weltweit die Lebensbedingungen der Menschen miteinander verknüpft sind. Von daher wird besonders deutlich, dass es eine globale Ordnung für die Ernährungssicherheit geben muss. Eine globale Ordnung in diesem Zusammenhang kann geschaffen werden durch verbindliche Umwelt-und Sozialstandards, die in Handelsverträgen und Handelsabkommen vereinbart werden und deren Einhaltung von internationalen Institutionen überwacht werden.

Freie und faire Handelsbeziehungen, freie und faire Märkte, die von Spielregeln bestimmt werden, darauf kommt es an. Bei einer Tafel Schokolade kommen nur 7% des Endverbraucherpreises heute bei den Bauern an, 80% entfallen auf Hersteller und Handel. Dies ist ein Hinweis auf eine Fehlentwicklung. Eine andere Fehlentwicklung ist die Tatsache, dass die Europäische Union mehr Agrargüter einführt als sie ausführt. Wir nutzen Ernährungsgrundlagen außerhalb unserer Grenzen, die andere dringend benötigen. Wir könnten mit weniger auskommen, wenn weniger weggeworfen würde.

Eine Welt ohne Hunger ist möglich. Schon heute könnte die Erde alle Menschen ernähren. Dafür müssen andere und bessere Voraussetzungen geschaffen werden, lokal und global.

Hermann Kroll Schlüter

Erntedankfest 2017

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