Positionen und Perspektiven

Wir leben in Zeiten tiefer Umbrüche und Brüche. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Die Gegenwart legt uns nahe, dass sich die Menschheit noch besser auf diese Herausforderungen vorbereiten muss.

Papst Benedikt XVI: „In einer Zeit weltweiter Lebensmittelknappheit, finanzieller Verworfenheit, alter und neuer Formen der Armut, besorgniserregenden Klimawandels, in der Gewalt und Elend viele zwingen, auf der Suche nach weniger unsicheren Überlebenschancen die eigene Heimat zu verlassen, in einer Zeit ständig bedrohlichen Terrorismus und wachsender Ängste angesichts der Unsicherheit der Zukunft ist es dringend notwendig, erneut Perspektiven zur öffnen, die in der Lage sind, wieder Hoffnung zu vermitteln.“

Ökonomisierung des Lebens.

Kultur ist die Summe aller Lebensäußerungen. Darin enthalten sind Geschichte und Religion, Wertvorstellungen, Erfahrungen, Ziele und Erwartungen.

Wenn nun ein Teilbereich wie zum Beispiel die Wirtschaft bzw. die Ökonomie dominant wird, dann gerät das gesellschaftliche und staatliche Leben in eine Schieflage. Die Ökonomie als Dominante kann den politischen und kulturellen Zusammenhang eines Gemeinwesens nicht  sichern. Im globalen Maßstab erkennen wir auf den globalen Märkten die notwendige rechtliche Begrenzung der Freiheit wirtschaftlichen Handelns. Wir müssen also die Dominanz des Ökonomischen überwinden. Dazu brauchen wir die Erneuerung des ordnungspolitischen Denkens, Ganzheitliches Denken und die Stärkung der Zivilgesellschaft und der einzelnen Bürger. Und zwar eine Stärkung im Sinne größerer Verantwortlichkeit. Vertrauen kann sie nur zurückgewinnen durch verlässliche Regeln, nicht durch grenzenloses Wachstum.

Alfred Müller-Armack: „Es wird entscheidend davon abhängen, ob es gelingt, die marktwirtschaftlichen Reformen ihrer hohen Leistungsfähigkeit wegen zu erhalten, aber sie doch gleichzeitig einer bewusst gestalteten Ordnung einzufügen. Die Marktwirtschaft ist nur ein überaus zweckmäßiges Organisationsmittel, aber auch nicht mehr, und es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, der Automatik des Marktes die Aufgabe zuzumuten, eine letztgültige soziale Ordnung zu schaffen und die Notwendigkeiten des staatlichen und kulturellen Lebens von sich aus zu berücksichtigen.“

Wenn wie in Deutschland eine nationale Identität fehlt, eine ausgeprägte Individualisierung und Säkularisierung des Lebens bestimmend sind, dann wird die Legitimation des Sozialstaates eine der wichtigsten Orientierungen. Die Zustimmung zur Freiheit und Demokratie und Marktwirtschaft hängt ab von der Leistungsfähigkeit des Sozialstaates.

Die Reihenfolge unserer Orientierung aber lautet: Menschenwürde und Freiheit, Personalität und Verantwortung, Subsidiarität und Solidarität

Hermann Kroll-Schlüter, Staatssekretär a.D.
Präsident des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes(ILD)
Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa

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