Family Farming

Die Zukunft fordert uns heraus: mehr Nahrungsgüter produzieren, Energie und Ressourcen sparen, das Klima schützen und zugleich die Lebensqualität verbessern, Hunger und Armut bekämpfen.

Die Schöpfung zu bewahren ist Auftrag und Verpflichtung. Die persönliche Verantwortung des Menschen ist eine schöpfungsbedingte Verpflichtung. Wir dürfen die Grundlagen unseres Lebens nicht zerstören. Jede Generation hat ein Recht auf die Chance der nachhaltigen Entwicklung. Und jede Generation muss sie schöpferisch nutzen. Wir haben nur eine Welt. Deswegen gilt: Alle wirtschaftlichen Aktivitäten von heute dürfen die Chance zukünftiger Generationen nicht schmälern. Aus diesem Grunde sind globale Langzeitstrategien zu entwickeln. Sie müssen global und lokal anwendbar sein und ökologisch den lokalen Standortverhältnissen sowie sozial der lokal gewachsenen Kultur entsprechen.

Das Recht auf Nahrung ist ein menschliches Grundrecht, jeder Mensch muss Zugang haben zu einer ausreichenden Menge gesunder Lebensmittel, die seinen Ernährungsgewohnheiten entspricht und die es ihm ermöglichen, ein Leben in Würde zu führen. Ernährungssouveränität ist das Recht jedes Einzelnen und jeder Nation, ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren. Das Menschenrecht auf angemessene Ernährung ist Teil des geltenden Völkerrechts. Die FAO hat einen Konsens von 148 Staaten erreicht, so dass die freiwillige Leitlinie zum Menschenrecht auf Nahrung ein Staatendokument darstellt, das verpflichtet. Ernährungssicherheit besteht, wenn alle Menschen zu jeder Zeit physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichender, gesunder und nährstoffreicher Nahrung haben, um so ihre Ernährungsbedürfnisse zugunsten eines aktiven und gesunden Lebens befriedigen zu können. Die vier Säulen der Ernährungssicherheit sind Verfügbarkeit, Versorgungsstabilität, Zugang und Nutzung.

Kulturdiversität und Biodiversität stehen in einem Wechselverhältnis zueinander. Vielfalt ist ein vitaler Faktor der Weltzivilisation. Agrobiodiversität ist eine Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten, eine Vielfalt an Kultursorten, eine Vielfalt an Betriebsformen, eine Vielfalt an Lebensräumen, eine Vielfalt an Wirtschaftsweisen, eine Vielfalt an Tierhaltungsformen und eine Vielfalt an Nutztierrassen.

Globaler Welthandel setzt eine globale Ordnung voraus. Und diese braucht ein Leitbild Die Ordnung des internationalen Agrarhandels ist deswegen besonders wichtig, weil für einen Großteil der Armen die Landwirtschaft eine große Bedeutung hat. Für die Weltwirtschaftsordnung gilt: Kern der wirtschaftlichen Tätigkeit ist das gute Ergebnis, nicht die gute Absicht. Die Spielzüge sind der Kern der wirtschaftlichen Tätigkeit. Die ökosoziale Marktwirtschaft bestimmt die Spielregeln. Die WTO in Verbindung mit der UN ist die institutionelle Trägerin.

Es ist gut ein Leitbild zu haben. So ist zu erkennen, wofür und weshalb der Staat Anreize schafft und fördert. Auch die WTO bräuchte ein Leitbild, denn die Offenheit der Märkte ist als Maßstab des Handelns ist zu wenig.

Europäische Landwirtschaft bedeutet: multifunktionale, nachhaltige, wettbewerbsfähige und flächendeckende Landbewirtschaftung. Bäuerlicher Familienbetrieb bedeutet: Verantwortung und Eigentum, nachhaltige Bewirtschaftung, Erfolg und Risiko in den Händen der bäuerlichen Familie

Merkmale bäuerlicher Landwirtschaft sind: nachhaltig und umweltgerecht, bodengebunden und tierartgerecht, eigenverantwortlich und eigentumsorientiert, familien – u. tradionsgebunden, vielfältig strukturiert, wettbewerbs- und leistungsfähig.

Aufgaben: Produktion hochwertige Nahrungsmittel- nachwachsende Rohstoffe – Pflege und Erhalt der Kulturlandschaft – Schutz der natürlichen Ressourcen.

Diese Aufgaben werden am besten vom bäuerlichen Familienbetrieb erfüllt, weil dieser wirtschaftlich sehr flexibel auf erhöhte Nachfrage reagieren kann und der Schutz der natürlichen Ressourcen im ureigensten Interesse der nachhaltigen Unternehmensstrategie als Familienstrategie steht.

Initiiert wurde das Internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe vom World Rural Forum WRF. Die Idee wurde unterstützt von der Food and Agricultural Organization FAO. Im Dezember 2011 deklarierte die UNO Generalversammlung das Jahr 2014 zum International Year of Family Farming IYFF.

Die internationale Kampagne wird vom World Rural Forum geleitet. Folgende Ziele wurden auf internationaler Ebene für das IYFF festgelegt:

  • Politikprogramme fördern, die eine nachhaltige Entwicklung bäuerlicher Familienbetriebe zum Ziel haben. Bäuerliche Betriebe weltweit betrachtet d.h.: 2,6 Milliarden Menschen, das sind 40 % der Weltbevölkerung, von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft leben. 85 % der weltweit 525 Millionen Höfe haben weniger als 2 ha Betriebsfläche.
  • Die Legitimität von Bauernorganisationen zur Vertretung von bäuerlichen Familienbetrieben stärken und deren Beteiligung an der Formulierung der Landwirtschaftspolitik fördern.
  • Das Bewusstsein für die Rolle und Bedeutung bäuerlicher Familienbetriebe in der Bevölkerung steigern.
  • Die Anerkennung der Rolle der Frauen auf bäuerlichen Familienbetrieben sowie deren Rechte fördern.
  • Eintreten für eine internationale Wirtschaft welche die Ernährungssicherheit in allen Ländern fördert.
  • Forschung zu nachhaltiger Entwicklung des ländlichen Raumes fördern, indem personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
  • Bäuerliche Landwirtschaft wird verstanden als nachhaltige Landbewirtschaftung in bäuerlicher Hand, die gesunde Lebensmittel erzeugt, Ressourcen schonend wirtschaftet, Tiere artgerecht hält, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leistet und zu einem entwicklungsfähigen ländlichen Raum beiträgt.

H.K.-Sch., 2014

Hermann Kroll-Schlüter, Staatssekretär a.D.
Präsident des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes(ILD)
Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa

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